Der Gaming-November steht ganz im Zeichen der Microsoft Xbox Series X|S und der Sony PlayStation 5. Die neuen Konsolen der beiden großen Hersteller sind aus vielerlei Gründen überaus spannend – nicht nur für Gamer. Sie weisen beide darauf hin, in welche Richtung sich die Zukunft des Gaming entwickeln könnte und bieten dabei durchaus unterschiedliche Ansätze. Konsumenten müssen selbst abwägen, wo ihre Präferenzen liegen, die Wirtschaft schaut gespannt auf den Verlauf der Launches und das Feedback aus den Zielgruppen.

Die PlayStation 5 erscheint in Europa am 19. November 2020, während Microsoft schon am 11.11.2020 mit der Veröffentlichung der Xbox Series X|S vorgelegt hat. Schon das Design beider Konsolen zeigt eindeutig: Beide Hersteller signalisieren, dass eine neue Generation, eine neue Ära, eingeläutet werden soll.

 

Zwei Konsolen, vier Varianten

 

Was zunächst ins Auge fällt: Beide Konsolen werden in jeweils zwei unterschiedlichen Varianten angeboten. Microsoft liefert mit der Xbox Series X für 499,- Euro sein Flaggschiff. Die Xbox Series X bietet 4K-Gaming-Atmosphäre, die technisch abgespeckte Xbox Series S begnügt sich mit einer nativen 1440er-Auflösung. Beide werben mit flüssigem Gameplay von bis zu 120 FPS (120 Bildern pro Sekunde). Alle Modelle beider Hersteller der neuen Konsolengeneration bieten indes maximale Auflösungen bis zu 8K-UHD. Der größte Unterschied der beiden Microsoft-Konsolen liegt neben der Leistung in der Wahlmöglichkeit der Spielemedien und im Preis: Nur die Xbox Series X kann physische Discs abspielen, die Series S bleibt ohne entsprechendes Laufwerk auf Downloads oder Streaming aus dem Netz angewiesen und kostet 299,- Euro.

Auch Sony veröffentlicht die PlayStation 5 zusätzlich zur Version mit Bluray-Laufwerk (499,- Euro) als Digital Edition ohne Laufwerk, ansonsten aber technisch identisch, für 399,- Euro.

Beide Varianten zeigen mit ihren unterschiedlichen Versionen: Die Zukunft des Gaming liegt, auch beim Vertrieb, im Digitalen. Manche Beobachter gehen sogar noch weiter und sagen voraus, dass diese Konsolengeneration die letzte ihrer Art sein könnte. Denn mit zunehmender Digitalisierung rücken Streaming- und digitale Abo-Modelle noch weiter in den Fokus. Darunter auch solche, die prinzipiell nicht mal mehr immer leistungsfähigere Hardware beim Endkunden benötigen, sondern die Spiele schon in der Cloud berechnen.

 

Ein neuer Faktor

 

Für viele Spieler sind Exklusivtitel und das Start-Lineup entscheidende Kaufargumente für diese oder jene Konsole, nur die wenigsten kaufen direkt beide, wodurch zum Launch jedes Mal besonders harte und polarisierende Diskussionen in Fachmagazinen, Foren und auf Social Media geführt werden. Microsoft setzt hier unter anderem auf Halo Infinite, Senua’s Saga: Hellblade II, Fable 4, Forza Motorsport und Microsoft Flight Simulator. Doch keiner dieser Titel ist zum Day One verfügbar.  Außerdem wird jedes Xbox Series X-Spiel aus einem First-Party-Studio zumindest in absehbarer Zukunft auch für den PC und  die Vorgängerkonsole Xbox One erhältlich sein.

 

Dazu kommt: Microsoft hat in der letzten Zeit bedeutende Entwicklerstudios gekauft wie ein Kind Süßigkeiten, allen voran Bethesda und Obsidian Entertainment und einige mehr. Da werden also eine Reihe sehnlichst erwarteter Titel in den nächsten zwei Jahren zunächst bei Microsoft spielbar sein – eine echte Investition in die Zukunft. Und in all seinen letzten Präsentationen pushte Microsoft das Ökosystem des Xbox-Gaming-Universums ebenso stark, wie die neue Konsole und ihre Hardware. Das wäre früher undenkbar gewesen.

Zudem hat Microsoft versprochen, dass jedes Xbox One-Spiel mit der Xbox Series X|S kompatibel sein und von deren Verbesserungen profitieren wird. Und das Smart Delivery-System von Microsoft stellt sicher, dass Spieler beim Kauf eines Xbox One-Spiels, das auch auf der Xbox Series X verfügbar ist, automatisch die Version der Xbox Series X erhalten, wenn sie auf die neue Konsole upgraden. Auch eine Handvoll ausgewählter Xbox 360- und Original-Xbox-Spiele wird mit dem System funktionieren. Die Hardware selbst ist leistungsfähig, die Spezifikationen und Leistungsdaten geben außerhalb von Theorie-Diskussionen kaum Anlass zu Kritik.

 

Es gibt also zum Start dieser Generation neben den, meist von Core Gamern, hart diskutierten Hardware-Specs wie Teraflops, Speicherdurchsatz und Bildwiederholrate sowie dem Spiele-Lineup einen anderen Faktor, der zu berücksichtigen ist: die Zukunft. Wie wollen Spieler in Zukunft ihre Spiele erhalten, wie (rückwärts-)kompatibel können weitere Konsolengenerationen werden, sind solche harten Hardwareresets, wie zwischen den bisherigen Generationen alle ungefähr sieben Jahre überhaupt noch nötig – oder erwünscht? Denn man sieht ja jetzt schon anhand der heute meistgespielten Titel wie PUBG, Fortnite, League of Legends oder Minecraft, dass eine gewisse Kontinuität in der Hardware absolut nötig ist. Dadurch, dass diese Spiele nicht, wie früher, regelmäßig einfach eine komplett neue Version erhalten, sondern durch Updates über die Jahre stetig weiterentwickelt werden, kann sich niemand erlauben, diese Titel auf seiner Plattform durch eine neue Hardware-Generation einfach auszuschließen. Und dieses “Games as a Service”-Konzept wird die Entwicklung zukünftiger Hardware inklusive der angeschlossenen Ökosysteme stark beeinflussen – und tut es schon jetzt.

 

Microsoft: Die Zukunft liegt in “Console as a Service”

 

Microsoft scheint hier die Weichen für einen neuen Weg zu stellen. Nachdem man in der letzten Generation mit der Xbox One klar gegen Sonys PlayStation 4 verloren hatte und zuletzt in Sachen Verkaufszahlen sogar von Nintendos Überraschungserfolg Switch überholt wurde (was übrigens ein schönes Beispiel dafür ist, dass attraktive Games, Service und Usability auf Dauer immer pure technische Daten schlagen werden), setzt Microsoft bei der neuesten Xbox auf das attraktive Abo-Modell des plattformübergreifenden Xbox Game Pass, die Aussicht auf exklusive Titel der beliebtesten Spieleserien der nun hauseigenen Star-Studios und eine serviceorientierte Kontinuität bei bestehenden Spieleserien. Die, von Beginn an, mit jeder neuen Konsolengeneration in jeweils verbesserter Form vom bisherigen Savegame aus einfach weiter gespielt werden können sollen. Ganz so, als kaufe man sich ein neues Smartphone und überspiele beim Start das Cloud-Backup auf das neue Gerät, um in vertrauter Umgebung die neuen Features und Anwendungen genießen zu können, ohne auf die “alten” verzichten zu müssen.

 

Sony: Traditionelle Stärken und attraktive, dauerhaft exklusive Spiele

Sony setzt auf exklusive Titel wie Spider-Man: Miles Morales, Ratchet & Clank: Rift Apart,  Horizon: Forbidden West und natürlich Serien wie Gran Turismo, God of War oder The Last of US, die nur höchst selten und wenn überhaupt, mit jahrelanger Verzögerung das Licht einer anderen Plattform sehen werden. Top-Games also, für die man wirklich und dauerhaft die neueste Sony-Hardware benötigt. Und die ist auf dem Papier bärenstark, bei den angegeben Leistungsdaten gibt sich die PlayStation 5 keine Blöße.

 

Außerdem hat die PlayStation während der Laufzeit der beiden letzten Konsolen-Generationen, teils durch das smarte Ausnutzen von ungeschickter Kommunikation seiten Microsofts, teils durch die attraktiven Exklusivtitel und die Zuverlässigkeit der Hardware, eine sehr starke Ausgangsposition errungen: Die Marke ist heute stark wie nie. Der hauseigene, digitale Abo-Service PlayStation Plus ist zwar nicht besonders innovativ und lässt bisher keine Ambitionen erkennen, die Konsolenwelt umzugestalten, deckt aber die Grundbedürfnisse vieler Spieler für den Moment ab. Außerdem sind “die Gamer”, absolut gesehen, sowieso eher konservativ, zumindest was einschneidende Veränderungen in ihrem Hobby angeht. In kaum einem anderen Sektor wird die “gute alte Zeit” so verklärt wie bei den Core Gamern. Und das sind erfahrungsgemäß eben die, die bereit sind, die nicht unerheblichen Summen für die neuesten Konsolen direkt zum Start ohne jede Rabattaktion oder ähnliches springen zu lassen.

Die PlayStation 5 kann wohl so gut wie jedes PS4-Spiel darstellen, aber keine Titel von der PS3 oder noch älteren Konsolen. Spiele, die für die PS4 Pro optimiert wurden, sollen jedoch ihre Verbesserungen auf der neuen Generation behalten.

 

In Sachen Virtual Reality (noch vor kurzem als die Zukunft des Gaming gehypt, heute weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden) gibt es weder bei Microsoft noch bei Sony große Neuigkeiten. Die PlayStation 5 hat aber den Vorteil, komplett kompatibel zu Sonys VR-Headset zu sein.

 

Wie also sieht die Zukunft des Konsolen-Gamings aus?

 

Letzten Endes werden wie immer die Spieler entscheiden, welche Konsole ihnen persönlich die entscheidenden Vorteile bietet. Die PlayStation wird mit ihren von Sony geschickt ausgebauten Stärken den Sprint beim Start wohl für sich entscheiden. Das Konzept von Microsoft ist attraktiv, jedoch in seinem auf digitale Services ausgelegten Kern so etwas wie eine Wette auf die Zukunft. Also werden wir in der nächsten Zeit sorgfältig beobachten wie sich der Markt und die Technik entwickeln – denn eines steht fest: Selten war ein Konsolen-Launch so spannend und so wichtig für die Zukunft der Games-Industrie wie in diesem, aus vielerlei Gründen, verrückten Jahr 2020.

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